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Protest gegen Wehrpflicht: Rund 200 Menschen bei Schulstreik in Flensburg
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Die geplante Rückkehr zur Wehrpflicht sorgt bei jungen Menschen für Widerstand. Am Freitag, 25. September, versammelten sich rund 200 Demonstranten auf dem Flensburger Rathausplatz. Auslöser sind unter anderem Musterungseinladungen, die bereits jetzt in Schleswig-Holstein verschickt werden. Die Schüler fordern, selbst über ihre Zukunft entscheiden zu können.

Statt im Klassenzimmer standen sie am Freitagvormittag auf dem Rathausplatz: Rund 200 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Polizei am Schulstreik gegen die Wehrpflicht in Flensburg. Die Kundgebung begann um 10:00 Uhr und war Teil eines bundesweiten Protesttages, zu dem die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ aufgerufen hatte.
Im Mittelpunkt stand die Frage, ob junge Menschen künftig wieder zu einem Dienst bei der Bundeswehr verpflichtet werden sollen. Die Flensburger Organisatoren lehnen sowohl eine Rückkehr zur Wehrpflicht als auch andere verpflichtende Dienste ab. Sie sehen darin einen Eingriff in die persönliche Lebensplanung ihrer Generation.
Schüler wollen über ihre Zukunft selbst entscheiden

In einer gemeinsamen Stellungnahme wenden sich die Jugendlichen gegen die Vorstellung, ihre Zukunft könne von staatlichen Dienstpflichten bestimmt werden. Sie wollen selbst entscheiden, ob sie eine Ausbildung beginnen, studieren oder einen anderen Lebensweg einschlagen.
Besonders deutlich wird ihre Ablehnung beim Thema Militärdienst. „Wir wollen nicht sechs Monate lernen, zu töten. Wir wollen nicht im Krieg sterben“, erklären die Organisatoren in ihrem Streikaufruf.
Die Initiative verbindet ihre Kritik an der Wehrpflicht mit grundsätzlichen Forderungen an die Politik. Öffentliche Mittel sollten nach ihrer Auffassung stärker in Schulen, Klimaschutz und soziale Absicherung fließen, statt in militärische Ausrüstung und Kasernen.
Musterung auch ohne Interesse am Wehrdienst

Für zusätzlichen Unmut sorgt bei den Schülern die Umsetzung des neuen Wehrdienstgesetzes. Seit Januar 2026 werden junge Männer des Geburtsjahrgangs 2008 zur Wehrerfassung herangezogen. Auch wer keinen Dienst bei der Bundeswehr leisten möchte, muss den entsprechenden Fragebogen beantworten.
In Flensburg und Kiel haben nach Angaben der Protestinitiative bereits im Juli erste 18-Jährige Einladungen zur Musterung erhalten. Darunter sollen sich auch junge Männer befinden, die zuvor erklärt hatten, nicht zur Bundeswehr gehen zu wollen.
Die flächendeckende Untersuchung des Jahrgangs 2008 soll regulär am 1. Juli 2027 beginnen. Der eigentliche Wehrdienst bleibt nach der geltenden Regelung zunächst freiwillig. Sollte die Bundeswehr ihre Personalziele nicht erreichen, kann der Bundestag allerdings durch ein weiteres Gesetz eine sogenannte Bedarfswehrpflicht einführen.
Genau diese Möglichkeit betrachten die Demonstranten mit Sorge. Sie befürchten, dass aus den zunächst begrenzten Verpflichtungen später eine allgemeine Dienstpflicht entstehen könnte.
Flensburger Initiative kündigt weitere Proteste an
Für die Schüler in Flensburg ist der aktuelle Streik nicht die erste Aktion gegen die Wehrdienstpläne. Bereits am 8. Mai hatten sich nach Angaben der Initiative mehr als 300 Menschen an einer Demonstration beteiligt.
Die Organisatoren verstehen ihren Protest als Teil einer Bewegung, die seit Dezember 2025 bundesweit junge Menschen mobilisiert. Damals seien mehr als 50.000 Schüler auf die Straße gegangen.
Auch nach der Kundgebung am Freitag wollen die Flensburger weitermachen. Ihr erklärtes Ziel ist es, eine verpflichtende Einberufung dauerhaft zu verhindern.
Auch in anderen Städten gehen Schüler auf die Straße
Flensburg war am Freitag einer von fünf Protestorten in Schleswig-Holstein. Besonders viele Jugendliche zog es in Kiel auf die Straße. Auf dem dortigen Exerzierplatz stellte die Polizei rund 600 Demonstranten fest. Damit blieb die Beteiligung unter den Erwartungen der Veranstalter, die zuvor eine Kundgebung mit 1.000 Menschen angemeldet hatten.

Deutlich kleiner fielen die Aktionen in den übrigen Städten aus. In Lübeck beteiligten sich zu Beginn zwischen 60 und 70 Menschen, während die Beamten in Neumünster etwa 50 Demonstranten registrierten. Auch in Itzehoe machten Schüler ihrem Unmut über die Wehrdienstpläne Luft. Dort war die Versammlung für 11:00 Uhr angesetzt.
Der Protest beschränkte sich nicht auf Schleswig-Holstein. In Hamburg sowie mehreren Städten Niedersachsens und Mecklenburg-Vorpommerns fanden ebenfalls Aktionen gegen die Wehrpflicht statt.
Schulstreik bewegt sich zwischen Protestrecht und Unterrichtspflicht
Dass die Jugendlichen ihre Kundgebungen während der regulären Unterrichtszeit veranstalten, hat auch schulrechtliche Konsequenzen. Die Teilnahme an einer politischen Demonstration befreit Schüler nicht automatisch vom Unterricht.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) hatte sich bereits anlässlich früherer Proteste zu diesem Spannungsfeld geäußert. Sie würdigte das politische Interesse der Jugendlichen, machte zugleich jedoch deutlich, dass die gesetzlichen Vorgaben für den Schulbesuch weiterhin gelten. Wer ohne genehmigte Freistellung dem Unterricht fernbleibt, riskiert einen entsprechenden Eintrag bei den Fehlzeiten.
Für die Flensburger Organisatoren ist die Auseinandersetzung damit nicht beendet. Sie wollen ihre Forderungen auch künftig auf die Straße tragen und sich weiterhin gegen die Einführung verpflichtender Dienste einsetzen.
