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Neuer Busbetriebshof soll Flensburg mindestens 120 Jahre dienen

 |  von Thomsen / Foerde.news

Der Grundstein für die nächsten 120 Jahre wurde gelegt - Fotos: Thomsen

Flensburg – Aktiv Bus befördert jährlich rund 13,3 Millionen Fahrgäste. Damit der Flensburger Stadtverkehr schrittweise vollständig elektrisch werden kann, entsteht am Brauereiweg ein neuer Betriebshof für bis zu 70 Busse. Die Verantwortlichen planen langfristig: Der Neubau soll mindestens 120 Jahre genutzt werden – und damit möglichst ebenso lange wie der bisherige Standort an der Apenrader Straße. Die Einweihung ist für den 28. Mai 2027 vorgesehen.

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Mit der Grundsteinlegung für den neuen Busbetriebshof haben die Stadtwerke Flensburg und ihre Tochter Aktiv Bus am Mittwoch, 26. August, einen wichtigen Schritt für die Zukunft des städtischen Nahverkehrs vollzogen. Rund 100 Gäste aus Politik, Aufsichtsgremien, beteiligten Unternehmen und dem Projektteam sowie Mitarbeiter der Stadtwerke und von Aktiv Bus kamen zu der Feier zusammen.

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Auf einem rund 19.000 Quadratmeter großen Gelände am Brauereiweg entsteht eine Betriebszentrale, die auf einen vollständig fossilfreien Busverkehr ausgerichtet ist. Die Fahrzeuge sollen dort künftig abgestellt, geladen, gewartet und für ihre täglichen Einsätze vorbereitet werden.

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Für Aktiv Bus ist das eine Investition in eine Infrastruktur, die über Generationen Bestand haben soll. Der neue Betriebshof ist nach Angaben der Verantwortlichen für eine Nutzungsdauer von mindestens 120 Jahren geplant. Damit orientiert sich das Unternehmen auch an der Geschichte des bisherigen Standorts: Der alte Betriebshof an der Apenrader Straße hat ebenfalls rund 120 Jahre seinen Dienst getan.

„Mit dem Bau des neuen Betriebshofs schaffen wir die Voraussetzung für einen zuverlässigen ÖPNV auf fossilfreier Basis und damit einen wichtigen Baustein für einen klimaneutralen Stadtverkehr“, sagte Julian Wollscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Flensburg. Damit werde nicht nur in Gebäude und Technik, sondern unmittelbar in die Zukunft der Mobilität in Flensburg investiert.

13,3 Millionen Fahrgäste im Jahr

Welche Bedeutung der Busverkehr für Flensburg hat, zeigt die Zahl der Fahrgäste: Rund 13,3 Millionen Fahrgäste befördert Aktiv Bus jährlich. Entsprechend groß sind die Anforderungen an Fahrzeuge, Werkstatt, Ladeinfrastruktur und den täglichen Betriebsablauf.

Allein in den neuen Betriebshof investieren die Stadtwerke Flensburg mehr als 40 Millionen Euro. Das Gesamtprojekt einschließlich weiterer Investitionen rund um den neuen Standort und die Verkehrswende erreicht eine Größenordnung von rund 50 Millionen Euro.

Der Bund unterstützt das Vorhaben mit 1,2 Millionen Euro. Die Förderung erfolgt über die Förderrichtlinie Bus des damaligen Bundesministeriums für Digitales und Verkehr, heute Bundesministerium für Verkehr. Koordiniert wird das Programm von der NOW GmbH, die Umsetzung erfolgt über den Projektträger Jülich.

„Wir schaffen hier eine leistungsfähige Infrastruktur, die den Anforderungen eines modernen, elektrifizierten Busverkehrs langfristig gerecht wird“, sagte Karsten Müller-Janßen, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg.

Die Stadtwerke sind Bauherr und Eigentümer des Betriebshofs einschließlich der neuen Buswerkstatt. Die fertiggestellten Bereiche werden anschließend an Aktiv Bus verpachtet.

Weitere 17 Elektrobusse sollen kommen

Der Fuhrpark von Aktiv Bus umfasst derzeit 54 Busse, von denen bereits 20 elektrisch unterwegs sind. Der Anteil der Elektrobusse soll in den kommenden Jahren weiter steigen.

Wie Aktiv-Bus-Geschäftsführer Paul Hemkentokrax erläuterte, sind Fördermittel für 17 weitere Elektrobusse innerhalb der kommenden drei Jahre beantragt. Kommen die Fahrzeuge wie vorgesehen, würde die Zahl der Elektrobusse auf 37 steigen.

Auch der Betriebshof wächst schrittweise. Zunächst entstehen 40 Abstellplätze, die jeweils mit einem Ladepunkt ausgestattet werden. In einem weiteren Bauabschnitt sollen in drei bis vier Jahren 30 zusätzliche Plätze hinzukommen. Im Endausbau bietet der Standort damit Platz für bis zu 70 Busse.

Eine wichtige Rolle spielt die Ladeinfrastruktur. Rund drei Stunden soll eine vollständige Ladung der neuesten Elektrobusse dauern. Die neuen Modelle sollen dabei eine Reichweite von bis zu 320 Kilometern erreichen.

Auch Busse aus dem Kreis können laden

Die neue Ladeinfrastruktur soll nicht ausschließlich den Fahrzeugen von Aktiv Bus zugutekommen. Das Unternehmen hat dem Kreis Schleswig-Flensburg eine Zusammenarbeit angeboten. Damit könnten auch Busse, die im Kreisgebiet unterwegs sind und unter anderem den Schülerverkehr sicherstellen, ihre Batterien auf dem neuen Betriebshof laden.

Der Standort könnte damit über die Flensburger Stadtgrenzen hinaus eine Rolle bei der Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs spielen.

Für private Elektroautos ist eine Nutzung der Ladeinfrastruktur dagegen derzeit nicht vorgesehen. Die Anlagen sind nach den aktuellen Planungen für den Busverkehr bestimmt.

Neue Heimat für rund 230 Mitarbeiter

Mit dem Neubau verändert sich auch der Arbeitsalltag der rund 230 Mitarbeiter von Aktiv Bus. Neben der Werkstatt und den Abstellflächen entstehen ein Melde- und Sozialgebäude sowie die notwendige Infrastruktur für den täglichen Betrieb.

Für die Fahrer wird der neue Betriebshof zum zentralen Ausgangspunkt ihrer Dienste. Von dort aus werden Fahrzeuge übernommen und die täglichen Umläufe gestartet.

Rund 30 Mitarbeiter der Stadtwerke Flensburg und von Aktiv Bus arbeiten unmittelbar an der Umsetzung des Großprojekts. Hinzu kommen mehr als 20 Planer sowie zahlreiche Unternehmen aus unterschiedlichen Gewerken.

Der Zeitplan steht bereits: Die offizielle Einweihung des neuen Betriebshofs ist für den 28. Mai 2027 vorgesehen. Einen Tag später, am 29. Mai 2027, soll ein Tag der offenen Tür folgen. Dann sollen auch die Flensburger Gelegenheit bekommen, sich den neuen Standort aus der Nähe anzusehen.

Alter Betriebshof soll verkauft werden

Mit dem Umzug endet an der Apenrader Straße eine rund 120-jährige Geschichte. Der bisherige Betriebshof soll nach der Inbetriebnahme des Neubaus nicht weiter von Aktiv Bus genutzt werden.

Aktiv Bus hat nach Angaben von Hemkentokrax kein Interesse daran, das Gelände weiter zu betreiben. Über die Zukunft des Grundstücks laufen derzeit Gespräche mit der Stadtverwaltung. Ein längerer Leerstand soll nach Möglichkeit vermieden werden.

Das Grundstück mit den bestehenden Gebäuden soll verkauft und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Welche konkrete Entwicklung dort möglich ist, ist noch Gegenstand der Gespräche. Für die Stadt eröffnet der Umzug damit zugleich die Möglichkeit, das Areal an der Apenrader Straße städtebaulich neu zu entwickeln.

Für Linus Petersen, stellvertretender Betriebsleiter von Aktiv Bus, ist der Neubau deshalb weit mehr als ein gewöhnliches Bauprojekt. „Wir bekommen eine zukunftssichere und moderne neue Heimat für unseren Betrieb“, sagte Petersen. Damit werde die Grundlage geschaffen, auch langfristig eine hohe Qualität im Flensburger Stadtverkehr sicherzustellen.

Autonome Busse innerhalb der nächsten fünf Jahre

Mit der Elektrifizierung soll die technische Entwicklung des Flensburger Nahverkehrs nicht abgeschlossen sein. Aktiv Bus arbeitet nach Angaben von Hemkentokrax bereits verstärkt am nächsten Schritt: dem Einsatz autonom fahrender Busse.

Eine besondere Rolle spielt dabei die künftige Anbindung des neuen Fördeklinikums am Peelwatt. Die Planungen seien bereits weiter vorangeschritten als zunächst erwartet. Eine Herausforderung bleibt unter anderem, die autonomen Fahrzeuge sinnvoll in das bestehende Liniennetz einzubinden und die Fahrpläne auf die Schichtwechsel am Klinikum abzustimmen.

Hempkentokrax zeigte sich überzeugt, dass die Technik schon bald auch in Flensburg zum Alltag gehören könnte. Innerhalb der kommenden fünf Jahre sollen nach seiner Einschätzung die ersten autonomen Busse in Flensburg unterwegs sein.

Bis dahin liegt der Schwerpunkt auf der Fertigstellung des neuen Betriebshofs. Wo derzeit Beton, Stahl und Baumaschinen das Bild bestimmen, sollen ab Mai 2027 die Busse ein- und ausfahren. Für Aktiv Bus beginnt damit nach rund 120 Jahren an der Apenrader Straße ein neues Kapitel – mit Elektroantrieb, moderner Ladeinfrastruktur und einem Betriebshof, der möglichst bis weit ins nächste Jahrhundert Bestand haben soll.